Montessori Pädagogik

Ein kurzes Montessori-ABC

 

Fehlerkontrolle: Bei den meisten Materialien ist die die selbstständige Fehlerkontrolle vorgesehen z.B. Lösungen auf der Rückseite der Aufgabenkarten oder Bezeichnungen durch Symbole, Zahlen oder Buchstaben. Dadurch sollen die Kinder unabhängig vom Erwachsenen werden.
Bei einigen Aufgabenstellungen kann aber auch eine Rückmeldung bei der Lehrkraft oder einem älteren Kind eingeholt werden.

 

Freiarbeit ist ein Grundprinzip der Montessori-Pädagogik. Sie umfasst im Allgemeinen die
– Freie Wahl der Arbeit
– Freie Wahl der Zeit
– Freie Wahl des Sozialpartners/der Sozialpartnerin

 

Handlungsorientierung und Bewegung: Dies sind wichtige Prinzipien der Montessori-Arbeit. Dadurch erübrigen sich zusätzliche Bewegungsangebote bei den meisten Kindern. Jedes Kind kann sich in der Klasse während der Freiarbeit frei und ruhig bewegen, wenn es die anderen Kinder nicht bei der Arbeit stört. Viele Arbeiten werden auf Teppichen auf dem Boden, auf dem Flur oder im Treppenhaus durchgeführt.
Wer mit einem Montessoriarbeit anfangen möchte, muss die zuerst aus dem Regal holen, sie aufbauen und nach Abschluss der Arbeit wieder an die gleiche Stelle zurückräumen, damit es anderen Kindern zur Verfügung steht.
Wenn Kinder lange stillsitzen, dann tun sie das freiwillig und weil ihre Arbeit das erfordert.
Abgeschlossene Handlungen sind ein Teil der Struktur und des Regelsystems in der Montessoriklasse. Ein Kind holt sich ein eingeführtes oder begonnenes Material aus dem Regal und bringt es nach Vollendung des Arbeitsprozesses und eines Teilabschnittes wieder an seinen Platz zurück.

 

Indirekte Erziehung: In der altersgemischten Lerngruppe finden – wie in einer großen Familie – viele selbsterziehende Prozesse statt. Die Lehrkraft gestaltet die vorbereitete Umgebung, in der das Kind möglichst alle Entwicklungs- und Lernimpulse für selbsttätiges Tun vorfinden soll. „Das Kind ist der Baumeister seiner selbst“, sagte Montessori.

 

Individuelle Förderung: Da die Kinder selbsttätig mit unterschiedlichen Arbeiten selbstständig beschäftigt sind, kann die Lehrerin einzelne Kinder oder Gruppen individuell begleiten, beraten oder neue Arbeiten einführen. Individiuelle Förderung bedeutet aber auch, dass Kinder mit einem besonderen Förderbedarf ihnen angemessene Aufgabenstellungen erhalten und dass diese Kinder von SozialpädagogInnen oder SonderpädagogInnen bei ihrer Arbeitsorganisation und beim Lernen unterstützt werden.

 

Inklusion: Inklusion erfordert eine achtsame Beobachtung und individuelle Förderung der Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf. Damit auch sie lernender Teil dieser strukturierten Lernumgebung werden können, muss die Lernsituation jeweils analysiert und modifiziert werden. (Raumsituation, Lerngruppe, Lernmaterial, personelle Besetzung, Organisation der Lernsituation, Zeitabläufe, Bezugssystem). Die SonderpädagogInnen unterstützen die Grundschullehrerinnen bei der Diagnostik und beraten mit ihnen und den Eltern über notwendige Fördermaßnahmen.

 

 

Lehrkraft. Sie ist Teil der vorbereiteten Umgebung, die sie für ihre Klasse gestaltet. Sie ist Lernberaterin und fördert die Kinder individuell.
Sie ist Beobachterin und zurückhaltende Helferin gemäß dem Leitsatz von Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun!“

 

Lektionen und Einführungen: Wenn die Kinder mit einem neuen oder weiterführenden Material arbeiten möchten oder wenn die Lehrerin ein neues Material vorstellen möchte, so wird dieses von der Lehrkraft mit einer sogenannten „Drei-Stufen-Lektion“ eingeführt. Die Lehrerin zeigt in mehreren Schritten, wie das Material gehandhabt wird. Die Lehrerin bleibt nur so lange bei dem Kind, bis sie merkt, dass es entsprechende Aufgabenstellungen selbstständig mit dem Material bearbeiten kann.

 

Meldesystem: Wer in der Freiarbeitszeit Hilfe braucht oder seine fertige Arbeit nachsehen lassen möchte, steckt seine Klammer an eine Klammerkarte. Die Lehrkraft arbeitet diese Klammerkarte in der Regel der Reihe nach ab. Manchmal werden auch HelferInnen, ältere Kinder beauftragt, ihren KlassenkameradInnen weiterzuhelfen oder es stehen Karteien oder Lesebücher zur Verfügung, die man in der Wartezeit bearbeiten kann.

 

Montessori-Material: In der Montessori-Grundschule deckt das Montessori-material alle Lernbereiche der regulären Grundschule ab und baut aufeinander auf und wurde von Dr. Maria Montessori für das selbsttätige handlungsorientierte Lernen entwickelt.
Es unterscheidet sich von vielen gängigen Arbeitsmaterialien. Die Arbeit mit dem Montessori-Material führt auf einer höheren Stufe vor allem zu Er-kenntnissen und sichert diese durch die Möglichkeit des wiederholten Übens ab. Es ist nicht – wie andere Lernmaterialien – dazu da, Kenntnisse spielerisch abzufragen (Rechenpyramiden, Zahlenmauern, Logico, Arbeitsblätter, Stöpselkarten).

 

 

Pädagogik vom Kinde aus: Diese geht davon aus, dass Lerninhalte und entsprechende Materialarbeiten nicht allein von der Lehrkraft bestimmt werden, sondern individuell an den individuellen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet sind.

 

 

Persönlichkeitsentwicklung: Das Kind steht im Mittelpunkt. Es mit seinen Ressourcen zu entdecken und zu fördern ist die Aufgabe der Lehrkraft. Die Montessoripädagogik zielt besonders auf eine ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit ab, der nur mit einem wertschätzenden Umgang miteinander erreicht werden kann. Das Kind soll möglichst unabhängig vom Erwachsenen Lernerfahrungen sammeln und so Selbstwirksamkeit erleben und Selbstbewusstsein entwickeln.

 

 

Präsentationen: …und Vorträge sind immer freiwillig. Manche fangen zaghaft an und tragen erst nur der Lehrkraft oder der Freundin etwas vor, mit der Zeit werden die Kinder mutiger. Genauso ist es im Morgenkreis. Die Gruppe respektiert das.

 

Sensible Phasen/Lernfenster: Montessori geht davon aus, dass Kinder zu bestimmten Zeiten eine besondere Empfänglichkeit für bestimmte Lernbereiche haben, weshalb die Kinder an unterschiedlichen Lernbereichen arbeiten dürfen. Auch die Hirnforschung bestätigt, dass die Lernerfolge besonders groß sind, wo Kinder selbstbestimmt und interessengesteuert Lernen dürfen.
Das sogenannte interessenorientierte Lernen knüpft an die natürliche Lernmotivation jedes Kindes an und ermutigt es, auch weniger angenehme Arbeiten auszuführen.

 

Übungen: Diese führen die Kinder mit dem Material durch wiederholtes Arbeiten mit dem gleichen Material oft selbst durch. Oft weiderholen sie so lange, bis der Lernzuwachs abgesichert ist. Es gibt aber auch Übungen z.B. das 1+1 und 1×1, Lesen und Auswendiglernen, die zu Hause mit den Eltern zur Absicherung und Automatisierung durchgeführt werden müssen.

 

Vielfalt: Diese drückt sich nicht nur in der Jahrgangsmischung aus. Sie ist die Grundlage für den Reichtum an Lernimpulsen in der jahrgangsgemischten inklusiven Klasse, die von den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihren Ressourcen ausgehen. Auch das gemeinsame Leben und Lernen mit Kindern mit Beeinträchtigungen und mit Kinder unterschiedlicher nationaler, ethnischer und kultureller Herkunft gehört zum Reichtum und zur Herausforderung der Schulgemeinschaft.

 

 

Vorbereitete Umgebung: Montessori hat diesen Begriff geprägt, der den Klassenraum als eine Lernumgebung bezeichnete, in der alle für die Kinder dieser Klasse notwendigen Lernmaterialien enthalten sind. Die Vorbereitete Umgebung ermöglicht den Kindern die Freie Wahl der Arbeit.

  • Verfügbarkeit des Materials: Das Montessorimaterial ist in der Regel jeweils nur 1x in der Klasse vorhanden. Die Kinder sollen sich absprechen und abwechseln. Das ist ein Prinzip der sozialen Erziehung.

 

Wochen- oder Monatsarbeiten: Wöchentlich oder alle 2 Wochen erhalten die Kinder ein Wochen- oder Monatsarbeitsthema, zu dem sie je nach Jahrgang in unterschiedlichem Umfang recherchieren, dokumentieren (Schreiben und illustrieren) und ihre Arbeit der Klasse präsentieren.

Menü schließen